aktuell – TV: Gehörschaden und Asylanten

1.+2. Januar in der ARD

„Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring, das kann man sich ansehen, dachte ich, am ersten Januar. Das Sehen ging auch. Aber es war nur die Hälfte zu verstehen. Anscheinend kamen zwei Umstände zusammen: Die Produktion hat den Tontechniker eingespart und Schauspieler, die nicht mehr reden können sondern Nuscheln. Nun, es hätte auch an meinem Gehör und dem Ton des Fernsehers liegen können. Aber am nächsten Tag lief der erste lange Film der Serie „Morden im Norden“. Und da war selbst bei eskalierender Handlung die Sprache gut verständlich. Es ist schon seit einiger Zeit zu merken, das bei vielen Produktionen der Ton immer schlechter wird und die Verständlichkeit und Lautstärke bei verschiedenen Sendern sehr unterschiedlich ist. Wahrscheinlich reicht es den Verantwortlichen, wenn der Zusehende die Untertitel einschaltet.

So sensibilisiert habe ich im Internet auf den Seiten der Sender nach entsprechenden Kommentaren gesucht. Ich bin vielfach fündig geworden. Da ich nur öffenlich-rechtliche Sender sehe, also TV-Kanäle die aus den Beiträgen der Gebührenzahler finanziert werden, frage ich mich, ob es nicht Sinn machen würde statt mit Billigfilmen den Werbesendern Konkurrenz zu machen, weniger auf die Quoten zu schielen und stattdessen weniger aber qualitativer zu produzieren. Wir sehen doch ohnehin jede halbwegs gelungene Serie oder Filme die nicht völlig floppten, etwa 5 bis 8 mal als Wiederholung. Da kommt es auf die 9. und 10. Wiederholung auch nicht mehr an. Inzwischen sind einige Sender (Arte/BR) dazu übergegangen Klassiker der Filmgeschichte zu zeigen. Auch eine Möglichkeit, denn die wurden in der Regel mit guter Qualität hergestellt – auch wenn die Bildqualität nicht mehr heutigen Super-HD-Ansprüchen genügt.

Zurück zur ARD am Anfang Januar 2024. Beide Filme hatten leider auch eine Gemeinsamkeit. Es ging um Asylanten, bzw. abgelehnte oder illegale Flüchtlinge. Vieleicht war das „gut gemeint“. Leider ist das Drehbuch von „Morden im Norden“ Schwachsinn. Maja Juric spielt überzeugend, aber wenn sie, wie es der Film spekuliert, eine traumatisierte und retraumatisierte Rächerin ist, ist ihr gezeigtes Verhalten absurd. Ein Dieb der für seine Braut (Maja Juric) einen 80-Euro-Ring klaut, auf einen mit Gewalt überreagierenden Polizisten trifft, der dann aber den zu Boden gezwungenen Täter liegen läßt, sich der „Gewalt“ schreienden Braut zuwendet und sich dabei vom aufstehenden Dieb die Pistole klauen läßt, ist schon starker Tobak. Dann nimmt der nun Bewaffnete eine Geisel (seine Braut/Maja Juric), rennt in ein Parkhaus, klaut ein Auto und richtet die Waffe auf einen der beiden außer Dienst befindlichen Kriminalisten und wird vom anderen Kommissar erschossen. Die Geisel/Braut, die keine überprüfbaren Angaben, auch nicht zu ihrem Namen macht, sagt gegen den Kommissar aus. Eine Streifenpolizisten die Zeugin war, verschweigt ihre Anwesenheit und eine Beamtin der „Inneren“ sammelt nur was gegen den Kommissar spricht. Die Rächerin/Braut/Geisel/von Abschiebung Bedrohte und Traumatisierte organisiert nun ein Motorrad, eine Waffe, eine Unterkunft, schneidet und färbt ihre Haare, läßt sich von dem Kommissar, an dem sie sich rächen will, ins Haus mitnehmen, weil der der vermeinlich Flüchtigen rein menschlich helfen will. Er wird mit Tabletten betäubt und dann von der Rächerin/Braut/Geisel/von Abschiebung bedrohten und traumatisierten Maja Juric nicht erschossen. Diese zielt minutenlang auf den Betäubten, nimmt dann eine auftauchende Staatsanwältin, die sie für die Freundin des Kommissars hält, als Geisel. Sie trägt die Bewußtlose, etwa ein Drittel schwerer als sie selber, in das im Wald stehende Auto, fährt mit ihr zu einem umgebauten, bewohnt aussehenden Frachtkahn, der angeblich vorher ein Fischerboot (Foto) mit Kühlkammer war, trägt sie an Bord und schließt die Geisel in der in Betrieb befindlichen riesigen Kühlkammer ein…

Es wird mit jeder Filmminute unlogischer. Aber hängen bleibt: Von Abschiebung bedrohte Asylanten sind unberechenbar und gefährlich, besonders wenn sie auf Fascho-Bullen treffen, und nur superliebe Polizisten verhindern das Schlimmste.

Noch schlimmer: der Tatort. Eine krude Handlung um einen Toten mit Brandnarbe, der mal ein Flüchtlingskind war und bei einem Brandanschlag verletzt wurde, ein verschwundenes Kind, vertauschte Identitäten, eine mordende Brautmodenverkäuferin… All das verschwindet im Gewirr einer sehr unwahrscheinlichen Handlung. Im Gedächtnis bleibt vor Allem die letzte Szene: Ein dunkelhäutiger Mann mit Bart, der einen Hoodie trägt und verprügelt wird, eine blonde Frau (die Kommissarin) die ihm helfen will, in der Gasse hinter der Bar in der sie als Frontfrau einer Band singt. Sie hilft ihm auf die Beine und er sticht sie grundlos ab.

Es folgt eine unglaubwürdige Sterbeszene und Franziska Weisz (die Kommissarin) ist raus aus der Serie. Wie würde da die Schlagzeile in einer Boulevard-Zeitung lauten: „Asylant sticht blonde Deutsche ab!“?

Für beide Filme ein dreifaches Bravo. „Harry, hol mir den Eimer. Ich muß kot….“

Helmut Koch