Da sagt ein Hard-Core-Fan, der bisher zu jeder WM der letzten Jahrzehnte gereist ist, er verzichte auf die Spiele in den USA, weil er das mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könne. Und Hendrik Buchheister läßt in seinem Artikel darüber in der EJZ, Ansgar Molzberger, Historiker an der Sporthochschule Köln, zu Wort kommen: „Ein Boykott hat in der Vergangenheit noch nie ein Regieme gestürzt.“. Ist das eine Antwort auf die Überlegung diese WM zu boykottieren?
Bumms! Ein Totschlag-Argument, das etwas beweisen soll, was nie in Frage gestanden hat. Wann, Herr Molzberger, hat jemand behauptet, man müsse Sportereignisse boykottieren um das Regime des ausrichtenden Landes zu stürzen? Das ist, mit Verlaub, entweder Propaganda oder geistiger Dünnschiss. Aber da Spitzensport heute ein Milliarden-Geschäft ist, werfen sich auch die internationalen Spitzenverbände des Sportes heute jedem Despoten vor die Füße – jedenfall solange der Rubel, Real oder Dollar rollt. Peking, Sotchi, Katar, liegen offenbar alle in lupenreinen demokratischen Staaten oder „dem Sport“ ist es egal, ob Bürger erschossen, vergiftet oder gleich ganze Volksgruppen unterdrückt, inhaftiert oder gar ausgerottet werden. Vermutlich werden die USA zur WM die Einreise von Personen gestatten, die sie sonst beim Grenzübertitt sofort verhaften hätten. Welch schöner Erfolg. Nur wird diese Liberalität am Tag nach dem Endspiel enden.
Ach ja, der olympische Gedanke des alten Griechenlands: Die Kämpfer verfeindeter Stadtstaaten trafen sich zu friedlichen Wettkämpfen. Und heute?: „Die moderne Olympische Idee war für ihren Begründer Coubertin in erster Linie eine pädagogische Idee. Das Wichtigste an ihr waren für ihn weniger sportliche Rekorde als erzieherische Ziele. Nach seiner Auffassung muss der Olympismus pädagogisch orientiert sein, weil ohne eine solche Orientierung auch die modernen Olympischen Spiele auf das Niveau der Gladiatoren-Wettkämpfe in den Zirkusarenen Roms zurückfallen.“ (http://www.sportunterricht.de/lksport/olym1.html)
Hier jetzt die bisher ungestellte Frage an den Historiker Molzberger: „Wann haben olympische Spiele zwei verfeindete Völker zu bester Freundschaft verbunden?“. Offenbar nie. Sollte mensch dann nicht gleich auf die Wettkämpfe verzichten? Eines noch, für das historisch Poesiebuch: „Jeder Sieger produziert viele Verlierer!“.