Für alle die schnell mit Zahlen sind.
Ohne genau zu wissen was sie bedeuten.
Prozente sind was wunderbares. Sie beschreiben einen Anteil/Bruchteil der sich immer auf 100 Prozent bezieht. Aber was sind 100 Prozent? Das definieren diejenigen die mit Prozenten jonglieren.
Wenn die Zahl, beispielsweise von Insolvenzen, um 20 % gestiegen ist, sagt die Prozentzahl nichts aus, solange nicht eine Ausgangsgröße/Zahl und ein Zeitraum dazu genannt werden. Also etwa: „Gegenüber dem Vorjahr mit 30.000 Insolvenzen, sind die Insolvenzen in diesem Jahr um 20% gestiegen.“. 30.000 : 100 x 20 = 6.000. Die Zahl der Insolvenzen im letzten Jahr beträgt also 36.000.
Einfacher und klarer wäre die Aussage: „Die Zahl der Insolvenzen ist im letzten Jahr um 6.000 auf 36.000 gestiegen.“.
Prozentangaben (außerhalb der Mathematik) sollen in der Regel den Eindruck von viel oder wenig erwecken. Je nach Absicht derer, die diese Prozentzahlen benutzen. ’20 Prozent mehr Insolvenzen‘ wirkt mehr, als ‚von 30.000 auf 36.000 gestiegen‘.
Wenn die Ausgangswerte verschleiert oder nicht genannt werden? Dann ist der Lüge und dem Betrug Tür und Tor geöffnet. „Unsere Schachtel Sondermüll zum Essen, wird 10 % billiger!“. Der Preis der Schachtel soll also um 10 % sinken. Wenn allerdings statt 100 Gramm nur noch 80 Gramm in der Schachtel sind, also 20 % weniger Inhalt, dann steigt der Preis des Inhaltes, während der Preis der Schachtel sinkt.
Besonders große Auswirkungen haben Prozentangaben, wenn sich eine Prozentzahl auf verschiedene Ausgangswerte bezieht. Beispiel: Wenn es eine Rentenerhöhung von 3 % auf die Monatsrente gibt, bekommt eine Rentnerin mit 1.000 Euro Rente künftig 1.030 Euro. Also 30 Euro mehr. Der ehemalige Abteilungsleiter im Industriebetrieb mit 3.600 Euro Rente bekommt künftig 3.708 Euro. Das sind 108 Euro mehr.
Was bedeutet das bei gleichen Lebenshaltungskosten? Was bedeutet es, wenn beide Rentner über 5 Jahre jedes Jahr 3 Prozent mehr bekommen?
Also von 30 zu 108 Euro auf 39,31 zu 121,53 Euro in 5 Jahren. Soooviel schneller steigt doch beim Rentner gegenüber der Rentnerin der jährliche Zuwachs in Euro nicht an, oder?
Der Rentner bekommt in 5 Jahren bei der gleichen jährlichen Steigerung von 3 Prozent Rente 4.846,80 Euro mehr an Einkommens-Zuwachs als die Rentnerin. Alleine der höhere Zuwachs in 5 Jahren beträgt also fast 5 Monatsrenten der Rentnerin – bezogen auf ihre Ausgangsrente von 1.000 Euro. So sieht es mit Prozenten aus!
Das Ganze wird auch Schere genannt. Eine Schere, die sich immer weiter öffnet. Und weil das mit Gerechtigkeit nichts zu tun hat, verschleiert die Prozentzahl die Wirklichkeit. Oder wie die Kanzlerin Merkel mal sagte: „Mehr brutto vom netto!“.
Immer nur Prozentforderungen bei Lohnverhandlungen würden dafür sorgen, das die Gutverdiener schnell mehr bekommen und die Geringverdiener abgehängt werden. Weil das zu auffällig ist, verlangen die Gewerkschaften häufig einen Sockel- oder Festbetrag für alle. Beispielsweise 8 Prozent mehr Lohn, aber mindestens monatlich 350 Euro mehr. Das sorgt dafür, das sich die Schere langsamer öffnet und die Teuerung der Grundkosten in den unteren Lohngruppen halbwegs ausgeglichen werden kann.
Wenn aber alle immer nur feste Beträge als Steigerung bekämen, würde der Abstand zwischen kleinen und mittleren Einkommen relativ immer geringer werden, da er absolut immer der gleiche bleibt. Also sind im Bereich Lohn gemischte Forderungen der richtige Weg.
Bleiben wir beim Beispiel 8 Prozent mehr Lohn, aber monatlich mindestens 350 Euro mehr.
Warum bekommen nicht beide Rentner monatlich 48 Prozent von 350 Euro, also 168 Euro mehr? Wahrscheinlich weil das zum sofortigen Bankrott der Rentenversicherung führen würde, da es weitaus mehr kleine als große Renten gibt.
Es gibt auch Bereiche, wo etwas anderes als eine Prozentzahl zu erheblichem Aufsehen führen würde. Beispielsweise die Abgeordnetenentschädigung für Bundestagsabgeordnete. Sie bekommen rd. 11.225 Euro/Monat. Dazu eine steuerfreie Kostenpauschale von rd. 5.350 Euro/Monat. Werden die Diäten um 3 Prozent angehoben, wirkt das bescheiden. Eine Anhebung von 497,25 monatlich wirkt nicht mehr ganz so bescheiden, bedenkt man, das die Grundpauschale des „Bürgergeldes“ 563 Euro monatlich beträgt.
Oft kolportiert wird sinngemäß der Spruch: „Glaube nur der Statistik die du selber erstellt hast.“. Im gleichen Feld tummeln sich die Prozente. Wer bei Prozent-Angaben nicht alle zusammenhängenden Zahlen nennt, will verschleiern, Meinung machen oder betrügen. Politik und Werbung sind voll davon.