„Ist der Ruf erst ruiniert, regiert sich’s völlig ungeniert!“

Friedrich Merz, Bundeskanzler, wird in seinem Leben kein Herz für kleine Leute mehr bekommen und er wird auch kein Politiker mehr werden. Er ist ein in der Wolle gefärbter Lobbyist der Konzerne, vorwiegend der alten Industrien.

Er scheint – und das Belegen immer wieder unbedachte Äußerungen – Hilfebedürftige zu verachten. Sie sind in seinen Augen Schmarotzer. Aus der Sicht der Millionäre mag das auch stimmen, denn ihnen ist auch nicht gewärtig, das sie selber Schmarotzer sind. Oder glaubt jemand die Arbeitsleistung eines Managers ist das 30 bis 50fache eines Akkordarbeiters wert? Ach ja, die Verantwortung! Die trägt schwer. Aber Verantwortung für was? Für Renditen und Boni und nicht für die Beschäftigten, die eh nur Arbeiten wenn sie Lust haben.

Jetzt, nach allen Jahreszeiten der Reformen, will er sich dem Wachstum der Wirtschaft zuwenden. Reicht nicht was Reiche macht? Sie, die auch eine Lobbyistin im Amt ist, gibt sich doch alle Mühe das Rad der Geschichte rückwärts zu drehen. Nut das Klima kümmert sich nicht darum. Da ist sich die Ministerin wohl mit Frau Weidel, Herrn Chupalla und Co einig: Das ist Wetter, es war ein heißer Sommer, das kommt vor.

Eine Woche später. Der Kanzler erklärt es sei Priorität die Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Ja und wie? Der neue Verkehrsminister Stefan Bilger hat da guten Rat: Gegen Niedrigwasser hilft die Fracht auf Schiene und Straße zu verlagern. Dafür wird das Sonntags-Fahrverbot für LKW aufgehoben. Und dann die Wasserstraßen ausbaggern und vertiefen.

Als er das vor Wochen verkündete haben sich alle die auch nur ein wenig Ahnung haben an den Kopf gefasst. Richtig es sind auch an den Wochenenden nicht viel mehr LKW auf den Straßen. Warum? Wo sollen die Fahrer herkommen? Und tausende von LKW die gebraucht würden, stehen nirgendwo herum.

Blöd, das die Mehrheit seiner 20 Vorgänger die Bahn zu Grunde saniert haben. Keine zusätzlichen Züge auf den maroden Gleisen.

Also ran an das Ausbaggern. Macht die Flüsse tiefer! Was wird dann passieren? Das Wasser läuft schneller zum Meer. Die Strömung gräbt sich tiefer ins Flussbett. Der Grundwasser-Spiegel sinkt ab. Der Baugrund wird instabil und die Pflanzen sterben. Flutwellen werden schneller. Egal, der Diesel muss schnell und billig aus der Raffinerie zur Tankstelle. Damit mehr LKW fahren können. Ob das dann die Brücken aushalten? Oder ob es blitzartig neue LKW-Parkplätze gibt?

Und warum das alles? Wegen dem „Wetter“. Ursachen? Ursachen gehen über eine Legislaturperiode hinaus. Damit kann sich die CDU/CSU/FDP nicht beschäftigen.

Für die AFD gibt es das Problem gar nicht. „Warme Sommer hat es schon immer gegeben“. Mag sein aber vor 300 Jahren gab es nur einen Bruchteil der Menschheit. Und die letzte Warmzeit ist ja erst 125.000 Jahre her. Das hat die Menschheit auch überlebt. Ob sich die AFD also ein Leben wie vor 125.000 Jahren vorstellt? Frau Reiche hat eine Lösung gegen Wärme: Klimaanlagen. Die brauchen Strom und dafür brauchen wir Gaskraftwerke. Und wegen der Dunkel-Flaute in der es keinen Öko-Strom gibt. Wetterexperten sagen, das ist extrem selten und man könnte auch Stromspeicher bauen. Allerdings scheint die Dunkel-Flaute in Politiker-Köpfen schon sehr lange zu dauern.

Weitere direkte Wahlhilfe für die AFD: Krankschreibung ab dem ersten Tag. So nicht praktikabel und eine klare Aussage: Arbeitende menschen wollen immer nur Krankfeiern. Meine Prognose: Das wird zu mehr Krankschreibungen führen und zu mehr Krankheitstagen – weil eine Krankschreibung für 2 Tage nicht lohnt. Dann lieber gut auskurieren.

Die Ärzte sind gegen die Regelung. Die Kassen sind gegen die Regelung. Die Gewerschaften sind gegen die Regelung. Die Arbeitnehmer sind gegen die Regelung. Der Kanzler und seine ihn noch tragenden Parteien sind dafür.

Auch hier zeigt sich die Weltsicht einer „Heuschrecke“: Was scheren mich die Folgen meines Handelns?“. Wenn es die Absicht war Geld zu sparen und Krankenzeiten zu senken, so wird sie ebenso wirksam sein, wie Frachtgut von Lastkähnen auf Lastwagen zu verlegen.

Es wäre so schön eine funktionierende Regierung zu haben und einen Kanzler für alle. Bei dieser Weltlage eigentlich unabdingbar. Und wir haben die kleinste GroKo aller Zeiten. Wie sagt Friedrich Merz (Zustimmungsquote 16%): „Jemand, der dem Land Veränderungen zumutet, ist zu Beginn nicht populär“.

Aber waren die Zumutungen der „Ampel“ nicht viel größer? Und so unbeliebt war – trotz der Sabotage der FDP – die Ampel nie.

Herr Merz sieht in seinen Werten eine Motivation. Fragt sich welcher Art. Ich tippe auf: „Ist der Ruf erst ruiniert, regiert sich’s völlig ungeniert!“