Ekki Tietke tritt aus den Grünen aus. Ups! Letztendlich wegen der Formalie nochmals einige Wochen mit der Vergabe der Listenplätze zu warten, ob da nicht noch eine Frau daherkäme die kandidieren wolle. Wobei die Wahrscheinlichkeit, das so etwas jetzt in Trebel eintreten würde bei unter einem Prozent lag. Wo war also das eigentliche Problem?
1979 habe ich mit Uli Quis und anderen den Kreisverband der Grünen gegründet. Damit der Widerstand auch einen politischen-parlamentarischen Arm sowie Informations- und Geldbeschaffer bekam.
Eine sehr wichtige Frage war damals, Gewalt, Gewaltlosigkeit, und die Grenzen derselben. Es wurde heftigst argumentiert. Also gab es auch die Frage, wie gehen wir bei solchen Diskussionen miteinander um? Meine damalige Meinung ist die, die ich auch heute den Grünen und allen anderen Organisationen nenne: Wenn wir anfangen uns gegenseitig mit Formalitäten zu überziehen, sind wir inhaltlich tot.
Wenn die Grünen glauben, das Problem, Frauen in die Politik zu bekommen, in internen Debatten lösen zu können, sind sie auf dem falschen Weg.
Als 1985 die grüne Landesfrauen-Arbeitsgemeinschaft zu einem Intensiv-Wochende in meinem Anwesen im Wendland zu Gast war, waren diese schon vor vierzig Jahren weiter. Sie waren der Meinung, es wäre schädlich, wenn Frauen nur darum Position mit Entscheidungs-Wirkung bekämen, weil sie Frauen wären. Frauen müssten es wollen und auch die nötigen inhaltlichen Voraussetzungen haben. Dann allerdings dürften sie nicht behindert oder benachteiligt werden.
„Vetter“ Tietke kenne ich seit der ersten Blockade (der Celler Brunnenbau, die Probebohrungen für Endlager durchführte) am Lüchower Bahnhof. Er ist impulsiv, loyal und gradeheraus. Ich kann es ihm nachfühlen, wenn ihn offensichtlich unnütze Formalien nerven. Es spricht auch nicht für den Umgang der Grünen miteinander, wenn der Vorstand sich ihm nicht verständlich machen konnte.
Aber der schlechte Umgang der Grünen mit nicht angepassten Mitgliedern hat Tradition. Von Jutta Dittfurth bis Rudolf Bahro.
Nicht das alle so wären. Erinnert sei aus unseren Kreisen hier an Martin Mombaur (Gorleben-Treck/MdL), den erst kürzlich verstorbenen Hannes Kempmann (MdL), Undine von Blottnitz (MdEP) und Lilo Wollny (MdB) und Marianne Fritzen (KTA), sowie die vielen nicht prominenten Mitglieder der frühen Jahre
Zur „Frauenfrage“ im Wendland. So ziemlich alle führenden Personen in den sechzig Jahren wendländischen Widerstandes waren Frauen. Heute haben wir die Landrätin und viele weibliche Fachbereichsleiterinnen. Sogar die erste Schützenkönigin gibt es. Mir ist es um die Rolle der Frauen im Wendland nicht bange. Sie nehmen sich allerdings oft selber nicht so wichtig wie einige Herren, wenn die einen Posten übernommen haben. Und ja, es gibt dennoch keine wirkliche Gleichberechtigung in der Breite der Gesellschaft.
Aber was die Wendländerinnen nicht selber schaffen, werden auch die Satzungsformalien einer Partei nicht ändern.
Ich habe es nicht bereut die Grünen mitgegründet zu haben und es auch nicht bereut 1986/87 aus ihnen ausgetreten zu sein. Menschen die sich gesellschaftlich engagieren, werden überall ihren Platz finden. Jedenfalls solange diese Gesellschaft noch eine minimal-demokratische Zukunft hat.
„Aber das ist eine andere Geschichte“, wie der Wirt der Pariser Bar im Film „Irma la Douce“ zu sagen pflegte.